You kill me

USA 2007 - Regie: John Dahl. Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely. Kamera: Jeffrey Jur. Mit: Ben Kingsley, Téa Leoni, Luke Wilson, Dennis Farina, Philip Baker Hall. Verleih: Koch Media. 92 Minuten

Zarte Mörderseele
Wenn Auftragskiller Hilfe brauchen: Ben Kingsley überzeugt in John Dahls Komödie "You Kill Me" als abgehalfterter Ausputzer der polnischen Schneeräumermafia.
Von Anke Sterneborg

Auch Auftragskiller sind nicht mehr die knallharten und unbeirrbar funktionierenden Tötungsmaschinen, die sie mal waren. Sicher, es kam auch früher mal vor, dass einen Mann wie Jeff Costello oder Frank Bono störende Zweifel oder Gefühle beschlichen, dass er Fehler machte und weich wurde, doch in den sechziger Jahren führte das - bei Melville in "Der eiskalte Engel" und bei Allen Baron in "Blast of Silence" - noch unausweichlich zum Tod.

Die moderne Selbsthilfe- und Ratgeberkultur unserer Tage dagegen macht auch vor seltenen, eher im Verborgenen betriebenen Berufsständen keinen Halt mehr. Auch Killer haben ein Recht auf Therapie, damit sie ihren mörderischen Alltag auf die Reihe kriegen. Oder sie melden sich bei den Anonymen Alkoholikern an. Und wenn skrupellose Menschen so verletzliche Seelen haben, wirkt das eben komisch.

Therapie statt Töten
Den Anfang machte der Mafiapate Tony Soprano, der 1999 zum ersten Mal von Angstzuständen geplagt wurde und in der inzwischen nach sechs Staffeln eingestellten Fernsehserie regelmäßig zum Analytiker ging.

Ungefähr zu derselben Zeit schrieben auch Christopher Markus und Stephen McFeely ihr Drehbuch zu "You Kill Me", das erst jetzt von John Dahl verfilmt wurde, der auch in früheren Filmen wie "Rounders", "Red Rock West" und "The Last Seduction" schon mit einiger Ironie an die klassischen Konstellationen des Film Noir heranging. Inzwischen haben ganze Heerscharen von seelisch angeschlagenen Mordgesellen ihre Defizite auf mehr oder wenig komische Weise abgearbeitet, in Filmen wie "Grosse Pointe Blank", "Analyze This" oder "Mord und Margaritas", wobei sich harte Jungs wie Robert De Niro und Pierce Brosnan durchaus selbstironisch zum Kasper gemacht haben.

Nun ist also Ben Kingsley dran, als abgehalfterter Ausputzer der polnischen Schneeräumermafia von Buffalo. Kingsley karikiert sich sozusagen in doppelter Hinsicht selbst, das "Gandhi"-Image und den knallharten Fiesling, mit dem er genau diesem Image in "Sexy Beast" den Garaus machte. Im Gegensatz zu seinen Kollegen betreibt der sonst bisweilen zur Übertreibung neigende Kingsley aber die Gangster-Demontage mit wunderbar trockenem Understatement, in scharfzüngigen Einzeilern, mit missbilligendem Augenaufschlag und einem Hauch von Spott in der Stimme.

Nachdem Frank im Wodkarausch einen wichtigen Auftrag im Kampf gegen die expandierenden Rivalen aus Irland und Asien schlichtweg verpennt hat, wird er von seiner fürsorglichen Familie zur Ausnüchterung nach San Francisco geschickt, wo er bei der Versammlung der Anonymen Alkoholiker nicht nur seine Sucht beichtet, sondern auch gleich seinen Beruf, was die Versammelten mit einer absurden Mischung aus routiniertem Mitgefühl und sehr beiläufigem Schock quittieren.

Gipfeltreffen der Versager
Auch alle anderen Menschen, denen er begegnet, reagieren mit pragmatischer Nonchalance auf seine dunkle Vergangenheit: der schmierige Makler, der ihn in sein neues Leben einweist (Bill Pullmann), die Kollegin im Beerdigungsinstitut, in dem sich Frank, von Haus aus an den Umgang mit Toten gewöhnt, nun rührend um die Verblichenen kümmert, sein Tutor bei den Anonymen Alkoholikern (Luke Wilson) und die schöne Femme Fatale Laurel, die über die Leiche ihres Stiefvaters hinweg mit ihm flirtet (mit erdig burschikosem Charme von der wunderbaren Téa Leoni gespielt). Und weil sie alle ihre Gags beiläufig fallen lassen wie Zigarettenstummel, statt sie wie Glitzerzeug im Schaufenster auszustellen, entwickelt sich auch ihre Geschichte mit zurückgenommener Lässigkeit.

Langsam wird der hartgesottene Krimi zwischen einer rabenschwarzen Komödie und einer romantischen Screwball-Liebelei aufgerieben, bis zu einem Showdown, in dem Laurel ihrem Frank so tatkräftig beisteht wie einst Bonnie ihrem Clyde. Und man ahnt, dass es vielleicht gar nicht das mörderische Geschäft war, das Frank und seine zarte Seele ins Burnout-Syndrom getrieben hat, sondern das unwirtliche Klima von Buffalo.


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