Waltz with Bashir

Israel/Deutschland/Frankreich 2008. R, B: Ari Folman. P: Ari Folman, Serge Lalou, Gerhard Meixner, Yael Nahlieli, Roman Paul. Sch: Nili Feller. M: Max Richter. Pg: Bridgit Folman Film Gang/Les Films d‘Ici/Razor Film. V: Pandora Film Verleih. L: 87 Min. FSK: . FBW: besonders wertvoll. Animation: Yoni Goodman, Gali Edelbaum, Tal Gadon. Zeichner: Ya‘ara Buchman, Michael Faust, Asaf Hanuka, Tomer Hanuka.

Georg Seeßlen (epd Film) sieht den Film in der Tradition des "dokumentarischen Comic" und kann seiner außergewöhnlichen Form einiges abgewinnen: "Bei der Uraufführung des Films in Cannes fragten Kritiker nach dem 'Mehrwert' der grafischen Darstellung. Das ist so schwer nicht zu erklären: In dieser Form hebt sich eine 'Geschichte von unten' auf; an die Stelle eines mächtigen technologischen Apparates, der immer einen Rest des Obszönen hat gegenüber dem realen Leiden von Menschen in der Geschichte, tritt die subjektive und subversive Kraft des Zeichenstifts. Hier ist das Autobiografische keine Behauptung mehr. Denn die Stilisierung des Films entfernt sich weit vom State of the Art der computergenerierten Animation der Blockbuster: Es sind Bilder, die die Erinnerung zurückfordern von der »offiziellen Lesart«, von der Medienhysterie. Dann gibt es noch diesen »Mehrwert«: Die Erinnerung, die sich in der Genealogie niederschlägt – Folman hat seinen Film nicht zuletzt für seine Kinder gedreht – und der Protest gegen diese Verkettung, in der der eine Krieg immer schon den Keim des nächsten in sich trägt. " Georg Seeßlen

 "Was ist Waltz with Bashir wirklich? Dokumentar-, Kriegs- oder Trickfilm? Offensichtlich alles zugleich, aber was passiert unter der sich schützend über den Film legenden Leinwand? Arbeitet Folman seine ganz persönliche Vergangenheit auf – oder gleich die einer ganzen Gesellschaft? Was bleibt für Außenstehende, für Unbeteiligte übrig von dem, was Folman berichtet? Vergebung? Entschuldigung? Verständnis?

Rein faktisch war Folman Anfang der 1980er Jahre im ersten Libanonfeldzug unterwegs, in welchem Israel die im Libanon erstarkende PLO in einem Angriffskrieg zu zerschlagen suchte. Das von der libanesischen Phalange-Miliz in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila vollzogene Massaker wurde seitens der Israelis sehend hingenommen. Folman sind diese Fakten sicherlich bekannt, doch fehlen ihm jegliche Erinnerungen an diese Zeit. Er reist herum, sucht Freunde auf, die ihm auf der Suche nach den verschüttgegangenen Bildern behilflich sein sollen. So zieht er seinen Weg von der Bar zum Kaffeekränzchen, vom Kaffeekränzchen bis nach Holland und findet Baustein für Baustein, doch der eine große Ziegel leugnet, dabeigewesen zu sein.

Die Aufarbeitung der persönlichen Vergangenheit verwächst also mit der gesellschaftlichen Verantwortung. Es sind die typischen Fragen und Antworten, Muster, die Europäern wie Amerikanern wohlbekannt sind. Amerika hat Vietnam, Deutschland das Dritte Reich bald in allen filmischen Genres mehr schlecht als recht verarbeitet, seit ein paar Jahren beschäftigen sich auch Österreicher vermehrt mit ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg, und selbst Dänen stellen – solange die letzte Generation noch nicht restlos verstorben ist – sich schnell noch ein paar Fragen. Insofern ist Folman im Vorteil, weil er beobachten kann, daß die mediale Beschäftigung mit dem Thema »Kriegsschuld« keine Frage der Zeit ist, daß es keine einfachen Antworten gibt, mögen die Fragen noch so klar sein.

Mit Waltz with Bashir betritt er dieses Terrain sehr behutsam, verwischt die reale mit der künstlichen Welt, indem er Gespräche dokumentiert und seine mit Fakten getränkten, doch scheinbar so vagen Erinnerungen herumarrangiert. Genauso die Bilder, in denen Zeichnungen mit realen Aufnahmen verschwimmen; nicht im Sinne von Bekanntem, keine Zeichentrickfiguren in der Realität, sondern Details der Realität im Zeichentrick. Folman stiehlt sich so zum einen aus einer klaren Haltung, der Verantwortung, baut aber zum anderen genau damit die Brücke zu ihr.

Vielleicht ist all das gewagt und übertrieben zu behaupten, Waltz with Bashir wäre ein vorsichtiger, notwendiger Schritt hin zu einem friedlichen israelisch-palästinensischen Miteinander. Vielleicht würde er der Last dieser Behauptung auf Dauer nicht standhalten und unter ihr zerbersten zu einem einfachen Kriegsfilm, wie wir ihn zuhauf kennen, nett animiert, aber ohne politische und gesellschaftliche Belange. Vielleicht ermutigt er aber auch zur kontinuierlichen Auseinandersetzung mit einem globalen Thema und ist ein kleiner, glänzender Mosaikstein des Ganzen."  ("This Is not a Love Song" von Christian Lailach in schnitt.de)

 


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