The Broken

The Broken (Frankreich, Großbritannien, 2008), 88 (Min.), Regie: Sean Ellis, Drehbuch: Sean Ellis, Kamera: Angus Hudson, Schnitt: Scott Thomas, Musik: Guy Farley. Hauptdarsteller: Ulrich Thomsen, Melvil Poupaud, Lena Headey, Richard Jenkins, Michelle Duncan.

Das zerbrochene Ich.

„You have conquered, and I yield. Yet, henceforward art thou also dead — dead to the World, to Heaven and to Hope! In me didst thou exist — and, in my death, see by this image, which is thine own, how utterly thou hast murdered thyself.“

(aus Edgar Allan Poes Erzählung „William Wilson“, 1839)

Die kühle Radiologin Gina (Lena Headey) feiert zusammen mit ihrem Freund, dem Architekten Stefan (Melvil Poupaud) sowie ihrem Bruder und dessen Freundin (Asier Newman, Michelle Duncan) den Geburtstag ihres Vaters (Richard Jenkins). Ein Spiegel fällt von der Wand – nichts besonderes. Doch schon am nächsten Tag beobachtet Gina auf der Straße, wie eine Frau, die wie sie aussieht, in einem Wagen, der dem ihren gleicht, vorbeifährt. Gina folgt der „Fremden“ in ein Apartment. Schnitt: Gina in ihrem Auto, mit dem sie einen Unfall baut. Während sie sich von dem Crash erholt, an dessen Vorgeschichte sie sich nicht mehr erinnern kann, kommt ihr Stefan plötzlich wie „ausgewechselt“ vor. Und auch ihre Familienmitglieder werden nach und nach heimgesucht…
Es heißt, „Herr, hilf meiner armen Seele“ seien seine letzten Worte gewesen. Kaum jemand betrauerte den verarmten und schwerkranken Mann, der im Herbst des Jahres 1849 seinen finalen Atemzug tat. Heute gilt Edgar Allan Poe als Großmeister der modernen Schauererzählung. Literaturwissenschaft und Psychoanalyse gleichermaßen feiern ihn als Genie. Im Kino aber blieb Poe die verdiente Anerkennung bislang verwehrt. Verfilmt wurde er sehr wohl, am hohen Geist der Vorlage sind etwa Roger Corman („House Of Usher“, „The Raven“) oder das unterirdische Lex-Barker-Machwerk „Die Schlangengrube und das Pendel“ allerdings katastrophal gescheitert. Mit „The Broken“ setzt Sean Ellis dem unwürdigen Treiben ein so überraschendes wie lange überfälliges Ende und zeigt, dass Poe in bewegten Bildern eben doch funktionieren kann. Als Basis diente die Kurzgeschichte „William Wilson“, die hier allerdings nicht adaptiert, sondern sehr frei interpretiert wird. Die paar banalen Schockmomente im letzten Akt beiseite genommen, überzeugt „The Broken“ weit abseits trendiger Asia-Horror- oder Torture-Porn-Nummern mit subtilem Horror und der für Poe so charakteristischen Bebilderung des Unbewussten.

THE BROKEN ist zu allererst ein Rätsel. Am ehesten könnte man den Film als groß angelegte Metapher großstädtischer Entfremdung beschreiben, die horrbile Züge annimmt - das verbindet ihn mit dem Horrorklassiker JACOB'S LADDER (1992) von Adrian Lyne. In vielen Szenen werden aber auch Bezüge zu den Paranoia-Thrillern von David Lynch (MULHOLLAND DRIVE) und Roman Polanski (DER MIETER) deutlich. Und THE BROKEN hält sich nicht schlecht in diesem Kontext. Es ist die Kompromisslosigkeit, mit der sich Ellis mit Andeutungen begnügt, die Erklärung bis zuletzt verweigert. Dabei gibt es Anknüpfungspunkte zu Don Siegels INVASION OF THE BODY SNATCHERS (1956), zu dessen Remakes von Kaufman, Ferrara und Hirschbiegel, doch keine Gewissheit. Zugleich steht THE BROKEN neben Alexandre Ajas zeitgleich entstandenem Horrorfilm MIRRORS (2008), in dem das Grauen ebenfalls aus den Spiegeln kommt. Einige Traumsequenzen gleichen sich frappierend.

Aber THE BROKEN ist anders: Kälter, finsterer, zurückhaltender. Große Schattenzonen dominieren die Bildkompositionen von Beginn an, grollende Drones verleihen den alltäglichsten Handlungen etwas Beängstigendes. Dieses Konzept geht auf und wird von sorgfältig geschilderten Charakteren getragen.

Dass THE BROKEN am Ende mit allen Konventionen bricht und uns verunsichert zurück lässt, vervollständigt dieses Konzept nur. Sean Ellis ist eine Hoffnung, zweifellos, und seine Handschrift wird bereits in zwei höchst unterschiedlichen Werken deutlich. Dabei hat THE BROKEN wirklich das Zeug zum Klassiker und sollte nicht als simple DVD-Premiere übersehen werden.

Die Blu-ray von Koch Media zeigt den Film in augenöffnender Schärfe und schneidenden Kontrasten, die die beklemmende Atmosphäre zusätzlich steigern. Ton und Synchronisation sind überdurchschnittlich.

Zitat:
Hitchcock verstand es, sein Publikum mit Angst zu verführen, machte es zu Voyeuren und zu Komplizen. In seinen Filmen tummeln sich kühle Blondinen, charismatische Mörder, zu Unrecht Verfolgte und Muttersöhnchen. Sie alle leben in einer scheinbar normalen Welt, in die urplötzlich Bedrohliches und Rätselhaftes einbricht ...


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