Tod eines Handlungsreisenden

(USA 1985) von Volker Schlöndorff mit Dustin Hoffman, Kate Reid, John Malkovich, Stephen Lang, Kamera: Michael Ballhaus.

„Dustins nächstem Film über das Scheitern eines kleinen Mannes, des Handlungsreisenden Willy Loman, ging eine intensive Theaterarbeit voraus. Ehe es zur Verfilmung für die Fernsehgesellschaft CBS kam, spielte Dustin Hoffman die Hauptrolle in Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ 250mal auf der Bühne in Washington, Chicago und New York. Eines Tages erhielt Volker Schlöndorff, als er sich zufällig in New York aufhielt, einen Anruf von Dustin Hoffman; er wollte ihn als Regisseur für die Verfilmung des Stückes verpflichten. Schlöndorff hatte die Broadwayinszenierung gesehen und war ziemlich entsetzt: „Von Anfang bis Ende wurde gebrüllt, jeder versuchte den anderen im Schaukampf zu überbieten.“ Trotzdem nahm Schlöndorff das Angebot an, als Spezialist für Literaturverfilmungen (Zögling Törleß, Blechtrommel) reizte ihn das Thema sehr; gleichzeitig war ihm bewusst, dass die Zusammenarbeit mit dem Star kein Zuckerschlecken sein würde. Denn Dustin Hoffman griff bei der Arbeit in alles ein, „er will jedesmal Schauspieler, Autor und Regisseur zugleich sein.“ Arthur Miller war bei den Dreharbeiten ebenfalls anwesend, um schlichtend und klärend einzugreifen, wenn es Meinungsverschiedenheiten gab, und herausgekommen ist bei der Arbeit eine alptraumhafte Farce über die große amerikanische Lebenslüge, den ewigen Traum vom Aufstieg, Erfolg, Reichtum. Ungewöhnlich an der filmischen Umsetzung waren Asynchronität und Surrealismus in Schlöndorffs Konzept, der das Stück nicht plan abfilmen wollte, sondern als Bewusstseinsstrom. Denn Millers erster Titel für das Stück hieß ja „Im Innern seines Kopfes“; gemeint war der Kopf des tragischen Helden Willy Loman. Dustin Hoffman sagte in Interviews, dass ihn die Figur dieses kleinbürgerlichen Vertreters an seinen Vater erinnerte und er bei dem Stück oft glaubte, als Junge mitten in seiner Familie zu sitzen." (Adolf Heinzlmeier, DUSTIN HOFFMAN)

„Mit Hilfe von dem Kameramann Michael Ballhaus hatte ich Miller und Hoffman, die als HM Film unsere Produzenten waren, von meinem Konzept und der Notwendigkeit, eine Dekoration im Studio zu bauen, überzeugt. Tony Walton, ein erfahrener Bühnenbildner, arbeitete mit uns. Wir fuhren nach Brooklyn und sammelten Details. Allmählich erfanden wir die einzelnen Räume, oft nur eine oder zwei Wände, aber jede einzelne ein kameragerechtes Bild, mit Türen und Öffnungen, die es erlaubten, übergangslos von einem Handlungsort zum anderen zu kommen. Eine Tür in Willy Lomans Korridor führte zum Beispiel in das Hotelzimmer in Boston, wo sein Sohn Biff ihn mit seiner Geliebten überrascht. Die Tür zum Badezimmer dort wiederum führte in die Toilette des Lokals, wo er mit seinen Söhnen verabredet ist. Im Büro seines Chefs öffnete sich die Wand in die große Weite, aus der der verschollene Onkel Ben auftaucht, auf dem Rundhorizont war das Haus mal von Kastanien, mal von Mietskasernen umgeben. Es erinnerte an experimentelle Avantgarde einer anderen Zeit, entsprach aber ziemlich den Regieanweisungen des Autors, wonach das Stück sich ohnehin im Kopf des Handlungsreisenden abspielte, eines Mannes, der die Wirklichkeit und die Welt seiner Phantasie nicht mehr auseinanderhalten kann. Am stärksten war das vielleicht in der Szene, in der Biff ihm gesteht, genauer gesagt, ihm das Geständnis aufzwingt, dass er bei einem Anstellungsgespräch den Füller des Chefs gestohlen hat. […] Der Füllfederhalter wird praktisch zur Waffe des Vatermordes. Willy Loman bricht zusammen, flieht aus der Vernunft in den Wahn, und während Michael Ballhaus ihn um 360 Grad mit der Kamera verfolgt, erscheinen in Fenstern und Türen Gestalten aus seiner Phantasie, wie in einem alten Mabuse-Film. […]“ (Volker Schlöndorff)



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