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23.11.2008

Kino kann bewegen

Film- und Medienkompetenz: Gespräch mit Staatsminister Bernd Neumann 

Der Kongress „Vision Kino 08“ bietet am 4. und 5.12. ein facettenreiches Programm aus Diskussionsrunden und Workshops, bei denen Fragen, die sich an eine zeitgemäße Film- und Medienbildung stellen, als auch Modelle und Perspektiven der pädagogischen Filmarbeit erörtert werden. Dabei werden neben Verantwortlichen aus verschiedenen kulturpolitischen Institutionen und Vertretern aus dem Bildungssektor auch „Praktiker“ aus unterschiedlichen Bereichen des Filmgeschäfts die Veranstaltungen begleiten. Ergänzt wird das Angebot durch Projektbörsen, bei denen Kongress-Teilnehmer sich über Intitiativen informieren und gegebenenfalls nützliche Kontakte herstellen können. Eine sinnvolle Erweiterung sind auch Beratungsforen, die die Möglichkeit eröffnen, mit fachkundigen Beratern spezielle Fragen, die im Rahmen des Kongresses sonst nicht ausführlich besprochen werden konnten, noch einmal zu vertiefen. Thematische Schwerpunkte dieser Foren sind „Recht/Urheberrecht/Filmvorführungen in der Schule“, „Schulkinoarbeit für KinobetreiberInnen“, „Schulkinoarbeit für Lehrkräfte“.

Neumann (geb. 1942) ist von Hause aus selbst Pädagoge: Von 1963 bis 1966 studierte er Pädagogik in Bremen, von 1966 bis 1971 war er als Lehrer im bremischen Schuldienst tätig; zwischen 1991 und 1998 war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie.


Medienpädagogik, Filmbildung, Erziehung zur Medienkompetenz oder Filmkompetenz – egal, wie man es nennt: Es ist auffallend, wie massiv dieses Thema derzeit auftaucht. Ist das wirklich etwas Neues oder nur alter Wein in neuen Schläuchen? Und warum müssen Filmerziehung und Filmkompetenz überhaupt wieder neu entdeckt werden?

Neumann: Das Thema, das in den bildungspolitischen und medienpädagogischen Diskussionen seit den 1980er-Jahren eine wachsende Bedeutung gewonnen hat, brauchte gar nicht neu entdeckt zu werden. Mit Blick auf die fortschreitende Audiovisualisierung der Kommunikation in unserer Mediengesellschaft muss es aber ständig angepasst werden. Es muss politisch, gesellschaftlich und kulturell immer wieder neu positioniert und in die Praxis umgesetzt werden. So haben wir mit dem seit 2004 geltenden Filmförderungsgesetz (FFG) erstmals die Unterstützung von Projekten zur Stärkung der Film- und Medienkompetenz in Schule und Bildung als Aufgabe der Filmförderungsanstalt (FFA) festgeschrieben. Mit VISION KINO hat mein Haus 2005 zusammen mit der FFA und den Verleih- und Kinoverbänden ein bundesweit aufgestelltes Netzwerk gegründet. Durch umfassende Kooperation und Koordination hat VISION KINO mit dazu beigetragen, das Thema Filmkompetenzvermittlung vor allem auch auf Länderebene anzustoßen und zu forcieren.


Wie stellen Sie sich eine moderne Filmerziehung in Zeiten von YouTube, DVD, Handy und Internet vor? Auch hinsichtlich von Filmbildung als Mittel der Integration, des interkulturellen Dialogs und bei der Orientierung in einer immer komplizierter werdenden Mediengesellschaft?

Neumann: Junge Menschen gehen tagtäglich mit bewegten Bildern um. Kurze Filme sind z.B. mit dem Handy schnell gemacht und können übers Internet mit Freunden ausgetauscht werden. Wenn man also junge Menschen erreichen möchte, muss man diese Entwicklungen sicherlich berücksichtigen. Die Frage ist, wie diese Medien sinnvoll in die schulische und außerschulische Bildungsarbeit integriert und wie Kindern und Jugendlichen positive, spannende Angebote in diesem Bereich gemacht werden können. Wie kann die Faszination dieser neuen Medien mit anspruchsvollen Inhalten verbunden werden? Der Kongress „Vision Kino 08“ geht in seinem Workshop „Neueste Medien und Filmbildung“ genau dieser Frage nach. Mein Haus hat zusammen mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein „Netz für Kinder“ ins Leben gerufen, das Kindern einen sicheren Raum im Internet zum Surfen, Chatten und Spielen bietet. Und ich begrüße auch die Idee eines „Deutschen Computerspielepreises“, der kulturell wertvolle Computerspiele auszeichnet. Denn in der Tat besteht ein großes Potenzial darin, Kinder und Jugendliche bei ihrer alltäglichen Mediennutzung zu begleiten – und sie dabei für die Machart, für Inhalte und Ästhetik von bewegten Bildern im Allgemeinen und Film im Speziellen zu interessieren, sie zu einem kritischen Umgang mit Medien anzuleiten.


Family-Entertainment oder Teil der Filmbildung, „pädagogisches“ oder künstlerisches Medium: Was ist für Sie ganz persönlich ein guter Film für Kinder und Jugendliche?

Neumann: Das Tolle ist, dass sich die Faszination für Filme, für das Erleben einer Geschichte auf großer Leinwand, im abgedunkelten Kinosaal, und anspruchsvolle, bildungsrelevante Inhalte nicht ausschließen – ganz im Gegenteil: Film als Kunstform, als Kulturgut einer Gesellschaft kann bewegen, Spaß machen, gruseln und im Nachgang zu einer vertieften Reflexion anregen. Und viele Filme eignen sich dafür hervorragend. Projekte wie die SchulKinoWochen der VISION KINO greifen diese daher auch auf. „Das Leben der Anderen“ etwa ist die Geschichte einer persönlichen Entwicklung, die man als Zuschauer miterlebt und miterleidet. Zugleich kann in der Schulkinoarbeit nicht nur über den moralischen Konflikt, sondern auch über eine wichtige Zeit deutscher Geschichte gearbeitet werden. Für die Kleineren möchte ich „Die drei Räuber“ nennen. Ein Film, der die kindliche Fantasie anspricht und in wunderbarer Weise ein Statement zur menschlichen Solidarität abgibt.


Es gibt eine Vielzahl von Initiativen auf schulischer, lokaler und regionaler Ebene, auch öffentlich gefördert. Ist eine Bündelung der Aktivitäten durch die KinoWochen von VISION KINO sinnvoll? Oder bevorzugen Sie eine Diversifikation?

Neumann: Die SchulKinoWochen sind zwar das bundesweit größte filmpädagogische Angebot ihrer Art, mitnichten handelt es sich hierbei jedoch um eine Veranstaltung, die einer Diversifikation der Schulkinoarbeit entgegenläuft. Im Gegenteil: VISION KINO kooperiert mit rund 80 Einrichtungen in den Ländern, die sich freiwillig und mit viel Engagement an dem Filmbildungsprojekt beteiligen. Ich denke, allein diese Zahl veranschaulicht, dass die SchulKinoWochen gerade auf regionaler Ebene nicht als Konkurrenz wahrgenommen werden. Zudem sind die SchulKinoWochen als Kooperationsprojekt mit den Ländern in die regionalen Angebotsstrukturen fest eingebettet und geben auch kleineren Initiativen die Möglichkeit, sich im Rahmen von Workshops oder Filmgesprächen einzubringen. Hiervon profitieren letztlich alle Beteiligten.


Könnte das BKM mit einer Aufstockung der Prämien für den Kinder- und Jugendfilm beim Deutschen Filmpreis nicht ein Zeichen setzen?

Neumann: Kinder- und Jugendfilme gehören unbestritten zur deutschen Filmkultur. Sie tragen nicht nur dazu bei, Kindern das Medium Film altersentsprechend zu vermitteln. Vielmehr ermöglichen sie, das Gemeinschaftserlebnis Kino für die ganze Familie zugänglich zu machen. Deshalb freue ich mich besonders, dass der Kinder- und Jugendfilm in Deutschland so viel Anerkennung und Aufmerksamkeit erhält wie lange nicht mehr. Dazu hat sicherlich der Deutsche Filmpreis beigetragen, der seit fast einem Jahrzehnt auch für die Kategorie „Bester Kinder- und Jugendfilm“ vergeben wird. Einschließlich der Nominierungsprämien stehen für diesen Preis insgesamt beträchtliche 375.000 Euro zur Verfügung. Damit ist dieser Preis die zweithöchst dotierte Auszeichnung beim Deutschen Filmpreis, was – wie ich finde – schon ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des Kinder- und Jugendfilms ist. Eine Aufstockung der Prämien für diesen Preis wäre im Übrigen mit einem zusätzlichen Bedarf an Haushaltsmitteln verbunden. Derzeit ist jedoch nicht vorgesehen, die finanziellen Mittel für den Deutschen Filmpreis zu erhöhen. Umso erfreulicher ist, dass VISION KINO und KIKA auf Initiative sowie mit Unterstützung der Filmförderungsanstalt erstmalig in diesem Jahr den mit einer Prämie von 25.000 Euro dotierten „Kindertiger“ für das beste verfilmte deutschsprachige Kinderfilmdrehbuch vergeben. Denn gerade im Kinder- und Jugendfilmbereich sind gute Drehbücher – auch unter pädagogischen Aspekten – elementar wichtig.




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