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2026-05-22

Und dann steht einer auf...deep dive

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Der Begriff Deep Dive (wörtlich aus dem Englischen für „Tieftauchgang“) bedeutet im übertragenen Sinne eine gründliche, umfassende und detailreiche Analyse eines bestimmten Themas oder Problems. Statt nur an der Oberfläche zu kratzen, dringt man tief in die Materie vor, um alle Hintergründe, Ursachen und Zusammenhänge vollständig zu verstehen. 

In Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ (Roman von Susann Pásztor, verfilmt mit Iris Berben) geht es um die ungewöhnliche Annäherung zwischen einer unheilbar krebskranken Frau, ihrem ehrenamtlichen Sterbebegleiter und dessen jugendlichem Sohn. Trotz des ernsten Themas ist es eine humorvolle und berührende Geschichte über das Abschiednehmen und das Leben.

Die Haupthandlung

  • Die Sterbende: Karla Jenner ist eine eigensinnige, stolze Fotografin. Sie hat Krebs und nur noch wenige Monate zu leben. Mitleid lehnt sie strikt ab. Sie möchte das Sterben nach ihren eigenen Bedingungen gestalten.

  • Der Sterbebegleiter: Fred Wiener ist ein alleinerziehender, etwas spießiger und unsicherer Vater. Er hat eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter gemacht, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Bei seinem ersten Einsatz mit Karla ist er völlig überfordert. Er will alles perfekt machen, scheitert aber an ihrer spröden Art.

  • Der Brückenbauer: Freds 13-amerikanischer Sohn Phil ist ein sensibler Teenager, der heimlich Gedichte schreibt. Im Gegensatz zu seinem Vater findet Phil sofort einen Draht zu Karla. Er hilft ihr dabei, ihr großes Archiv an Konzertfotos (unter anderem von Grateful Dead) zu sortieren.

 

Zentrale Themen des Werks

  • Rollenumkehr: Während Fred denkt, er müsse Karla helfen, passiert das Gegenteil: Die lebenskluge Karla hilft Fred und Phil, aus ihrer eigenen Erstarrung auszubrechen und wieder richtig am Leben teilzunehmen.

  • Familienannäherung: Durch die gemeinsamen Besuche bei Karla bricht das komplizierte, distanzierte Verhältnis zwischen Vater Fred und Sohn Phil auf. Sie lernen, wieder offen miteinander zu sprechen.

  • Der Titel: Der Buchtitel bezieht sich auf einen alten Brauch. Wenn ein Mensch stirbt, öffnet man traditionell das Fenster, damit die Seele des Verstorbenen hinausfliegen kann. 

Möchtest du mehr über die Unterschiede zwischen dem Buch und der ARD-Verfilmung wissen oder interessieren dich Details zum Ende der Geschichte

 

Am Ende von Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ stirbt die krebskranke Karla friedlich, hinterlässt jedoch bleibende Veränderungen im Leben von Fred und Phil. Der Schluss bündelt die emotionalen Entwicklungen der Figuren: [1, 2, 3]

Karlas Tod und der Titel des Werks

  • Der letzte Moment: Als Karlas Zustand sich drastisch verschlechtert, weicht Fred ihr nicht mehr von der Seite. Er hält seine erste echte Totenwache als Sterbebegleiter.

  • Das geöffnete Fenster: Unmittelbar nachdem Karla aufhört zu atmen, setzt Fred den alten Brauch um, der dem Buch den Namen gibt. Er steht auf und öffnet das Fenster, um Karlas Seele symbolisch fliegen zu lassen. [1, 2, 3]

Phils Entwicklung und Karlas Vermächtnis

  • Der Abschied: Phil, der eine tiefe, fast freundschaftliche Bindung zu Karla aufgebaut hat, nimmt ein altes Fotoalbum aus dem Jahr 1948 aus ihrer Wohnung mit.

  • Die Versöhnung: Phil schickt dieses Album an Karlas entfremdete Schwester Gudrun. Damit führt er Karlas letzten unvollendeten Lebensauftrag aus und stiftet über ihren Tod hinaus Frieden.

  • Neues Selbstbewusstsein: Durch Karlas unkonventionelle, bestärkende Art gewinnt Phil den Mut, zu sich selbst, seiner Schüchternheit und seiner Leidenschaft für das Schreiben von Gedichten zu stehen.

Freds Reifeprozess

  • Vom Pflichtbewusstsein zur Empathie: Fred, der anfangs nur aus einem Gefühl der eigenen Sinnkrise heraus Sterbebegleiter werden wollte und rein nach Lehrbuch agierte, lernt echtes Mitgefühl. Er verliert seine steife, kontrollierte Art.

  • Die neue Vater-Sohn-Beziehung: Das gemeinsame Erleben von Karlas Sterbeprozess schweißt Fred und Phil eng zusammen. Fred akzeptiert seinen Sohn endlich so, wie er ist. Sie finden nach Jahren des Aneinander-Vorbeilebens eine echte, emotionale Ebene. 

Das Ende ist zwar traurig, entlässt den Leser aber mit einer hoffnungsvollen, lebensbejahenden Botschaft: Karlas Sterben hat den beiden Hinterbliebenen geholfen, wieder lebendig zu werden. 

 


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